Was kostet ein Handwerker?
Ratgeber

Sind Handwerker wirklich teuer?

Autor:
Werner Deck

Wie setzen sich die Kosten einer Handwerksleistung zusammen? Ist Geiz tatsächlich geil? Malermeister Werner Deck gibt Antworten.

In Gesprächen und Diskussionen hört man immer wieder, dass Handwerker teuer seien. In meinen Augen ist das eine aus purem Unwissen entstandene Behauptung.
Oft werden dabei die Stundenlöhne der Handwerksgesellen, mit dem Stundenverrechnungssatz des Handwerksbetriebs verglichen. Aus der Differenz wird auf einen hohen Verdienst des Handwerksbetriebs und deshalb auch auf eine teure Leistung geschlossen. Das ist natürlich grober Unfug.

Eine Handwerkerstunde kostet durchschnittlich zwischen 40 und 50 Euro. Dieser Stundenverrechnungssatz bedeutet natürlich nicht, dass der Betrieb auch so viel verdient. Um die Unwissenheit über die Kostenzusammensetzung zu beseitigen, einmal diese Orientierungshilfe. Sie stellt exemplarisch die Kosten für eine Handwerkerstunde eines Gesellen dar. Die Stundenverrechnungssätze der einzelnen Handwerker können sehr unterschiedlich ausfallen. Weitgehend identisch ist dagegen das Schema der Kalkulation.

 

14,00 € Bruttostundenlohn
11,90 € Lohnnebenkosten
17,40 € Betriebliche Gemeinkosten
2,20 € Gewinn
45,50 € Stundenverrechnungssatz netto
8,65 € 19 Prozent Mehrwertsteuer
54,15 € Stundenverrechnungssatz brutto

 

Das verbirgt sich hinter dem Begriff "Lohnnebenkosten":

  • Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung)
  • Bezahlte Urlaubs- und Feiertage
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Bezahlter Mutterschaftsurlaub
  • Urlaubsgeld
  • Weihnachtsgeld
  • Beitrag zur Umlage am Insolvenzgeld
  • Abgabe nach dem Schwerbehindertenrecht
  • Nicht verrechenbare Zeiten

"Betriebliche Gemeinkosten" sind:

  • Gehälter und Personalnebenkosten für Mitarbeiter im Büro
  • Miete
  • Energiekosten (Heizung, Strom, Gas, Wasser)
  • Betriebliche Versicherungen
  • Gebühren
  • Beiträge (Handwerkskammer etc.)
  • Porto
  • Telefon
  • Werbung
  • Internet
  • EDV
  • Kfz-Kosten
  • Rechts- und Beratungskosten
  • Instandhaltung
  • Reparaturen
  • Reinigung
  • Zinsen für Kredite
  • Abschreibungen auf abnutzbare Wirtschaftsgüter
  • Kalkulatorische Kosten

Diagramm: Kosten einer Handwerkerstunde

 

Ein weiters Phänomen ist die sogenannte Schnäppchenjagd:

Vermeintlich erstklassige Leistung und Qualität, zu einem sehr niedrigen Preis und/oder mit hohen Rabatten und Nachlässen zu erhalten. Wobei eigentlich jeder wissen müsste, dass das nicht sein kann. Bitte lesen Sie einmal, was der britische Sozialphilosoph John Ruskin im 19. Jahrhundert dazu gesagt hat:

"Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand etwas schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das geringste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen."

Auch der gute Wilhelm Busch hat sich zum Thema "Preise" geäußert. Wilhelm Busch schrieb in seinem “Maler Klecksel” zum Thema "Preis":

"Mit scharfem Blick, nach Kennerweise,
Seh´ ich zuerst mal nach dem Preise.
Und bei genauerer Betrachtung,
steigt mit dem Preise auch die Achtung."

 

Die Berichterstattung in den Medien erweckt zudem oft den Eindruck, dass die Preise aller Waren oder Dienstleistungen frei verhandelt werden können.

Bitte handeln Sie doch zuerst einmal z.B. die Rundfunk- und Fernsehgebühren sowie den Preis Ihrer Tageszeitung und Magazine herunter. Denn das sind die Medien, die Sie als Verbraucher zum “Preise-Handeln” ermuntern.
Ein tragisches Beispiel dafür, dass Rabatte und Nachlässe nicht funktionieren können: Die Praktiker-Baumärkte fuhren mit “20% auf alles” sicher in die Pleite.
Wenn Sie Preisnachlässe erhalten oder selbst aushandeln, hier noch ein nachdenkenswerter Satz aus dem Volksmund:

"Rabatt und Skonto lass Dir sagen, wird vorher immer draufgeschlagen!"

 

Und billig kann letztlich auch für Sie als Kunde noch ganz schön teuer werden.

Dazu nur ein kleines Beispiel aus der Praxis meines eigenen Malerbetriebs. Es erreichte mich der verzweifelte Anruf einer Dame: “Herr Deck, ich kann die Mängel in meiner soeben neu renovierten Küche nicht mehr sehen. Bitte machen Sie mir meine Küche neu!” Was war geschehen? Die Dame hatte sich ihre Küche "billig" renovieren lassen. Dabei wurden die Wände nicht richtig gespachtelt und die einzelnen Tapetenbahnen wurden übereinander geklebt. Es sah wirklich nicht sehr gut aus. Dazu wurde ihr eine italiensche Designertapete zum Preis von ca. Euro 55,00/Rolle (!) empfohlen.
Wir haben die Küche neu renoviert und die Kundin ist sehr glücklich über unsere fachgerechte Arbeit. Jetzt hat sie wieder Freude an ihrer neu renovierten Küche. Allerdings hat sie diese Freude teuer und doppelt bezahlt. Hätte sie uns gleich beauftragt, hätte sie den ganzen Ärger vermieden und dabei noch Zeit und viel Geld gespart.
Billig kann deshalb ganz schön teuer sein!

 

Über den Autor

Werner Deck ist Malermeister und Inhaber des Unternehmens malerdeck in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe.

Er gilt als „Mr. Social Media des Handwerks” – sein Blog wurde 2011 zur „Handwerkerseite des Jahres“ gewählt.

Seit 2011 ist Deck wegen seines sozialen Engagements zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes.

www.malerdeck.de/blog/

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