Barrierearm ist nicht gleich barrierefrei, es gibt wichtige Unterschiede
Ratgeber

Barrierefrei vs. barrierearm

Autor:
Redaktion

Beim Umbau ist barrierearmes Bauen immer sinnvoll. Dies hat nichts mit Alter oder Behinderung zu tun, denn es geht nicht um barrierefrei.

Definition von barrierefrei und barrierearm

Barrierefreiheit bedeutet eine Gestaltung der baulichen Umwelt, also von Häusern und Wohnungen, die Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglicht diese zu nutzen, ohne zusätzlich einen Nachteil zu erfahren.

Dazu gehören auch Informationsangebote, Kommunikationsmittel und andere Dinge die im üblichen Alltag auftauchen. Was dies im Einzelnen bedeutet, ist für den Wohnungsbau in der DIN 18040-2 genau definiert. Das Regelwerk legt einen Mindeststandard fest, damit sich ein Rollstuhlfahrer oder anderweitig behinderter Mensch in der Wohnung frei bewegen kann.

Der Paragraph 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes schließt auch sonstige Anlagen, Verkehrsmittel sowie technische Gebrauchsgegenstände und vieles mehr mit ein. Ziel ist, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung in der allgemein üblichen Weise ohne fremde Hilfe im Alltag zurecht kommen, ohne eine besondere Erschwernis zu haben. Dazu gehört auch das Nutzen von Webseiten. Der Barrierekompass hilft, diese entsprechend den Anforderungen des Gesetzes zu gestalten.

Eine genaue Definition, was barrierearm bedeutet, gibt es dagegen nicht. Den Begriff führte eine Forschungsgruppe an der FH Heidelberg im Jahr 2001 unter Leitung von Professorin Susanne Edinger und Professor Helmut Lerch ein. Damit ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen gemeint, die vorhandene Barrieren abbauen.

Ziel ist die Gebrauchstauglichkeit von Wohnungen und Gebäuden zu erhöhen. Ein wünschenswerter barrierefreier Ausbau ist in der Praxis kaum möglich und bringt Menschen ohne Einschränkung keinen Nutzen. Die Idee von barrierarm ist, dass alle Menschen davon profitieren, wenn sie in der eigenen Wohnung nicht stolpern und es für Behinderte ein Gewinn ist, wenn auch nur ein Teil der vorhandenen Barrieren verschwindet.

Beispiele für barrierefreies Bauen

Die Norm unterscheidet zwischen uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen und barrierefrei nutzbaren Wohnungen. Ein Haus nach dem Standard „barrierefrei nutzbar“ (Basisstandard) berücksichtigt die Bedürfnisse von Menschen, die mit einer Gehhilfe oder einem Rollator laufen. Der Standard „uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar“ (R-Standard) verlangt größere Bewegungsflächen und breitere Türen, damit auch Rollstuhlfahrer zurecht kommen.

Die Zugänglichkeit muss durch einen Aufzug oder eine Rampe gewährleistet sein. Für die Eingangstür ist eine Breite von 90 Zentimetern vorgeschrieben. In der Wohnung genügt es, wenn die Türen eine Breite von 80 Zentimetern aufweisen, beim R-Standard von 90 Zentimetern. Eine normale Tür in Wohnungen muss nur eine Breite von 62,5 Zentimetern vorweisen.

In allen Küchen und Bädern sind sogenannte Bewegungsflächen vorhanden, damit sich Menschen mit Gehilfe beziehungsweise beim R-Standard mit dem Rollstuhl, darin bewegen können. Gleiches gilt für Bäder. Aber die Norm schreibt noch weitere Einzelheiten vor: Bei einem Waschtisch muss eine Fläche von 120 Zentimetern Breite und 120 Zentimetern Tiefe vor dem Tisch vorhanden sein (Normalstandard). Das Becken muss in 85 Zentimetern Höhe enden. Auch die Tiefe des Waschtischs ist mit 55 Zentimetern genau festgelegt. Normalerweise reicht eine Bewegungsfläche von 100 Zentimetern Tiefe vor dem Waschbecken aus.

Ein Ausbau nach diesen Richtlinien macht in der Regel einen kompletten Umbau des Bades notwendig. Oft reicht das vorhandene Raumangebot nicht aus, es sind sogar Wände zu versetzen.

Beispiele für barrierearmes Bauen

Hier geht es darum, Barrieren abzubauen. Dies bietet mehr Komfort und erleichtert Menschen mit Einschränkungen das Nutzen der Wohnung. Ziel ist, so viele Hindernisse wie möglich abzubauen, wenn ein kompletter Umbau nicht möglich ist.

Eine Maßnahme ist beispielsweise Stufen vor Eingängen durch leicht ansteigende Gehwege zum Haus zu vermeiden. Wenn eine Tür sich nicht problemlos verbreitern lässt, reicht es oft schon aus, für einen geraden Zugang zur Tür zu sorgen. Für einen Menschen mit Gehhilfe ist es schwierig direkt vor oder hinter der Tür die Gehrichtung ändern zu müssen.

Im Bad kann ein Austausch der Sanitäranlagen für mehr Platz sorgen. Die Wahl einer schmaleren Badewanne oder eines Wachtischs mit geringerer Tiefe sorgt für mehr Bewegungsraum vor dem Waschbecken. Eine ebenerdige Dusche erleichtert nicht nur das Duschen, da kein störender Rand zwischen dem Boden des Raumes und der Dusche vorhanden ist. Sie vergrößert auch die Bewegungsflächen.

Ein barrierearmer Bau bringt Vorteile

Das Behindertengleichstellungsgesetz regelt keine Maßnahmen im privaten Wohnungsbau und schreibt keine Barrierefreiheit in diesem Bereich vor. Ein barrierearmer Bau ist aber grundsätzlich ein Gewinn für alle Bewohner und sollte daher immer umgesetzt werden.

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