Ratgeber

Europa geht das Holz aus

Autor:
Redaktion

Jahrelang wurde ökologisches Bauen mit Holz propagiert. Jetzt wird der Rohstoff knapp und immer teurer. Warum? Was können Handwerker und Häuslebauer tun?

Holzmangel – dieses Stichwort geht seit Wochen durch die Medien. Die Preise für den Baustoff explodieren regelrecht. Der NDR berichtete von bis zu 300-prozentigen Preisanstiegen bei Balken, Sparren oder Brettern in Norddeutschland. In der Schweiz verteuerten sich Bauholz-Platten innerhalb eines Jahres um 350 Prozent. Seit April 2021 sei der Anstieg noch steiler, war auf dem Nachrichtenportal watson.ch zu lesen.

Preisexplosion und Lieferengpässe

Laut Wallstreet Online werde der Kubikmeter Nadelholz zurzeit im Wochentakt um zirka 100 Euro teurer. LinkedIn-News verkündete zudem, dass sich Dämmmaterial um über 50 Prozent und Rigips um 170 Prozent verteuert habe. 

Mit der Preissteigerung gehen Versorgungsengpässe einher. Die Lieferfristen für Bestellungen liegen inzwischen bei mehreren Wochen. Holzverarbeitenden Betrieben geht die Arbeit aus – trotz voller Auftragsbücher. Hausbauten mit Holz liegen auf Eis: Baufirmen können die rechtzeitige Ausführung ihrer Aufträge nicht mehr garantieren. Manche Arbeitgeber stellen wegen Holzmangels auf Kurzarbeit um. Dabei gibt es in Mitteleuropa ausreichend Wald, um die Nachfrage nach Holz zu befriedigen. Wo also liegen die Gründe für Preisexplosion und Lieferengpässe?

Pandemie, Zinspolitik und Ausfuhrverbote

In vielen Teilen der Welt hat die Pandemie einen Bauboom ausgelöst, betonen viele Medienberichte. Die Menschen zögen verstärkt aus den Städten aufs Land und bauen Häuser. Die staatlichen Konjunkturprogramme plus niedrige Zinsen und steigende Immobilienpreise in den Metropolen bestärken diesen Trend. Hinzu kommt der Wunsch nach ökologischem Bauen. Besonders in den USA und China besteht eine enorm gestiegene Nachfrage nach Holz.

Kanada ist ein klassischer Holzlieferant für den riesigen US-Markt. Dort treten derzeit allerdings vermehrt Borkenkäfer-Probleme auf. Außerdem hat sich kanadisches Holz durch Strafzölle verteuert. Schnittholz ist in den USA knapp geworden. Deshalb greifen amerikanische Kunden verstärkt auf Tannen- und Fichtenholz aus Europa zurück und fegen den Markt leer.

Ein weiterer Grund für die Knappheit: Großproduzent Russland hat den Export von unverarbeitetem Holz gestoppt, um mehr Wertschöpfung im eigenen Land zu generieren. Derzeit sind auch viele Lieferketten für Zubehör wie Holzleim aus China unterbrochen. Zu guter Letzt fehlt es in Mittel- und Westeuropa an Sägewerks-Kapazitäten, um ausreichend Holz als Baumaterial herzustellen. Gäbe es mehr Sägewerke in Europa, würde das Klima geschont. Schließlich entfielen Transportwege.

Geduld, Kulanz oder Holz-Alternativen

Was können Handwerker und ihre Kunden tun? In vielen Baumärkten sind noch größere Mengen oder Restbestände an Holz vorhanden. Eine Empfehlung lautet daher: telefonisch nachfragen. Tipp zwei heißt, auf andere Materialien auszuweichen. Statt Parkett kann beispielsweise Laminat verwendet werden. Außerdem lagern die derzeit kaum beschäftigten Messebau-Betriebe große Mengen an Leichtbauwand-Systemen aus Aluminium oder MDF: Sie eignen sich für den Innenausbau und als Trennwände.

 Bleibt es beim Holz, müssen sich Handwerker, Bauherren und Architekten in Geduld üben. Verständnis und Kulanz heißen die Zauberworte. Politiker könnten über höhere Ausfuhrzölle für europäisches Holz nachdenken.

 

Tags:
Gewerke:
Qualifizierte Handwerker
in Ihrer Nähe finden!
Kostenlos Auftrag einstellen:
  1. Auftrag beschreiben
  2. Angebote erhalten
  3. Handwerker auswählen
Jetzt kostenlos Angebote erhalten
Handwerker direkt suchen:
Newsletter abonnieren

Zu welchen Themen möchten Sie die neuesten Artikel bequem per E-Mail erhalten?



E-Mail Adresse:

Ich stimme dem Erhalt des Newsletters zu. Eine Abmeldung ist jederzeit möglich.