Ratgeber

Handwerksausbildung in Frankreich – ein Überblick

Autor:
Redaktion

Am 22. Januar ist deutsch-französischer Tag. Wer seine Ausbildung ganz oder teilweise im Nachbarland absolvieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten.

Jedes Jahr am 22. Januar ist deutsch-französischer Tag. Dieser wurde anlässlich des 40. Jahrestages des Elysée-Vertrages im Jahre 2003 ins Leben gerufen. Der Tag soll an die deutsch-französische Freundschaft erinnern und dabei vor allem junge Menschen mit dem Nachbarland bekannt machen. Zudem sollen die bilateralen Beziehungen der Länder gestärkt werden und über Austausch- und Begegnungsprogramme sowie die Möglichkeiten des Studiums und der Beschäftigung im Partnerland Auskunft geben. Grund genug, um näher auf die Handwerksausbildung in Frankreich einzugehen.

Die Vorteile einer Ausbildung im Ausland liegen auf der Hand: Der Auszubildende lernt eine neue Mentalität und eine andere Arbeitsweise kennen. Dadurch erweitert er seinen Horizont in jeder Hinsicht. Spätere potenzielle Arbeitgeber wissen diese Erfahrung zu schätzen. Nicht nur durch die erweiterten Fremdsprachenkenntnisse. Internationale Berufserfahrungen bieten auch einen Vorteil auf dem globalisierten Arbeitsmarkt. Diese werden im Arbeitsleben immer wichtiger und können so einen klaren Wettbewerbsvorteil bieten.

Bislang ist das Angebot für Interessenten, die ihre Ausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, nicht sonderlich groß. Es gibt wenige Programme, die sich direkt an deutsche Ausbildungssuchende richten wie beispielsweise bei der IHK Aachen.

Mögliche Abschlüsse in Frankreich

Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das französische Bildungssystem nur marginal vom deutschen. Nach neun Jahren Schulpflicht haben Schüler in Frankreich die Wahl zwischen dem Erwerb der Hochschulreife oder einer Berufsausbildung. Letzteres ist bei uns stets eine duale Ausbildung, bei der Auszubildende praktisches im Betrieb lernen und alles Weitere in der Berufsschule. Bei unseren Nachbarn gibt es zusätzlich die Möglichkeit ohne betriebliche Lehre nur ein berufliches Gymnasium (Lycée professionnel) zu besuchen und so einen Berufsabschluss zu erlangen.

Deutschland und Frankreich haben eine allgemeine Vergleichbarkeit von beruflichen Abschlüssen in beiden Ländern festgelegt. Der deutsche Gesellen- beziehungsweise Facharbeiterabschluss ist mit dem französischen Abschluss Certificat d'aptitude professionnelle (CAP), dem Brevet professionnel (BP) und dem Baccalauréat professionel (Bac Pro) vergleichbar.

Bewerbung für einen Ausbildungsplatz in Frankreich

In der Regel dauert eine Lehre in Frankreich ein bis drei Jahre, je nachdem welcher Beruf erlernt wird. Jeder der zwischen 16 und 26 Jahre alt ist, kann einen Lehrvertrag mit einem Betrieb unterzeichnen, um dort seine Ausbildung zu absolvieren.

Es handelt sich, ähnlich wie in Deutschland, um einen Arbeitsvertrag, der im Betrieb selbst und in einem Ausbildungszentrum (centre de formation d'apprentis, CFA) stattfindet. Hier werden vor allem praktische und berufsbezogene, aber auch allgemeinbildende Inhalte vermittelt. Die Vergütung richtet sich nach dem tariflichen Mindestlohn, nach dem Alter und dem Ausbildungsjahr des Auszubildenden.

Um auf eigene Faust einen Ausbildungsplatz in Frankreich zu bekommen, muss sich der Bewerber direkt beim Betrieb bewerben. Die Bewerbungsprozedur läuft ähnlich wie in Deutschland ab.

Hilfe nach einem passenden Ausbildungsbetrieb bekommen Ausbildungssuchende bei der regional ansässigen Handwerkskammer. Auch die französische Wandergesellenvereinigung Compagnons du Devoir bietet eine komplette Ausbildung in mehr als 20 Handwerksberufen im Holzbereich in französischen Handwerksbetrieben an. Das Programm bietet den Vorteil, dass gleichzeitig für Unterkunft und Verpflegung gesorgt ist. Die Ausbildung wird in Deutschland als gleichwertig anerkannt. Vergütung und Sprachkurse sind ebenfalls in diesem Programm enthalten.

Besonderheiten der Ausbildung

Das System der betrieblichen Ausbildung in Frankreich (apprentissage) wird staatlich reguliert und unterscheidet sich aufgrund seiner Komplexität in Bezug auf Organisation und Finanzierung sowie den Beziehungen zum allgemeinbildenden Schulwesen stark von der betrieblichen Ausbildung in Deutschland.

Frankreich arbeitet bereits daran, die Lehre für Unternehmen einfacher zu gestalten und sie attraktiver für Jugendliche zu machen.

Berufsabschluss durch Berufserfahrung

Ein weiterer anerkannter Weg zu einem vollwertigen Berufsabschluss in Frankreich ist die Bescheinigung von Berufserfahrung („validation des acquis de l’expérience“, VAE).

Das System besteht seit 1992. Es handelt sich um einen Abschluss durch vollständige oder teilweise Anerkennung erworbener Fähigkeiten und Kenntnisse in einer beruflichen Tätigkeit. Voraussetzung ist, dass die erworbene Berufserfahrung in direktem Zusammenhang mit dem gewünschten Berufsabschluss steht und die Tätigkeit schon mindestens drei Jahre besteht. Die Erfahrung kann sowohl in einem Arbeitnehmerverhältnis als auch in einer selbstständigen Tätigkeit als Handwerker gesammelt worden sein oder auch in einer unentgeltlichen Tätigkeit wie in einem Verein oder einer Gewerkschaft.

Den VAE-Antrag kann jeder stellen, egal wie alt er ist und welchen Ausbildungsstand er hat. Lediglich alle notwendigen Unterlagen müssen eingereicht werden. Gegebenenfalls ist auch ein Gespräch mit der Prüfkommission notwendig, die darüber entscheidet, ob oder in welchem Ausmaß die Berufserfahrung anerkannt wird.

Vergleichende Zahlen

In Deutschland gibt es derzeit etwa zwei Millionen Auszubildende, in Frankreich sind es lediglich 460.000. Nach wie vor ist das Abitur (Baccalauréat) für die Mehrheit der Schüler der bevorzugte Abschluss.

Ein Grund dafür dürfte vor allem das bereits oben erwähnte komplexe Schulsystem sein.

Auslandspraktikum deutscher Azubis

Auslandserfahrung während der Ausbildung zu sammeln, bietet neben einmaligen Erlebnissen auch die Chance, seinen Horizont zu erweitern.

In den vergangenen Jahren ist der Weg ins Ausland für Auszubildende immer einfacher geworden. Viele neue Regelungen wurden eingeführt. Im Berufsbildungsgesetz ist das Recht festgeschrieben, einen Teil der Lehre außerhalb Deutschlands zu absolvieren. Bis zu einem Viertel seiner Lehrzeit darf der Auszubildende in einem anderen Land verbringen und sich die Ausbildungszeit in Deutschland anrechnen lassen.

Besteht der Wunsch im Rahmen der Ausbildungen Erfahrungen in der Ferne zu sammeln, kann sich der Lehrling bei seinem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. In der Regel werden die Auslandsaufenthalte von den Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, ERASMUS+, gefördert.

Beachtenswertes bei der Ausbildung in Frankreich

Rechtlich gesehen kann jeder EU-Bürger mit einem gültigen Personalausweis nach Frankreich einreisen und dort arbeiten. Wer länger als drei Monate dort arbeitet, muss sich bei der Polizeibehörde vor Ort melden und einen Antrag zur Aufenthaltsgenehmigung stellen.

Zu bedenken ist außerdem, dass bei einem regulären Ausbildungsplatz in Frankreich gute Französischkenntnisse notwendig sind, um keine Probleme im Arbeitsalltag zu bekommen.

 

 

 

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