Höchste ostasiatische Schmiedekunst: Japansiche Stemmeisen
Gastartikel

Japanische Stemmeisen (Teil 2)

Autor:
Redaktion

Im zweiten Teil unserer Artikel-Serie über handgeschmiedete japanische Stemmeisen geht es um die Beschaffenheit des Stahls und warum die ostasiatische Schmiedekunst für Europäer so faszinierend ist. Ein Artikel von Justus Kißner.

Weißes und blaues Papier

Warum ist in Deutschland Shirogami als Weißpapierstahl bekannt und Aogami auch als Blaupapierstahl? Es handelt sich dabei um die Verpackung, in der der Stahl gehandelt wird, denn mit bloßem Auge ist der Unterschied nicht zu erkennen.

Ich bin Justus, 26 Jahre alt und gelernter Schreiner und Restaurator. Japanische Handwerkzeuge sind meine Leidenschaft. Auf meinem Instagram-Kanal könnt ihr euch angucken, was man mit japanischen Stemmeisen alles tolles erschaffen kann.

Shirogami ist der unlegierte Kohlenstoffstahl, welcher die schärfste Schneide entstehen lassen kann und für die Bearbeitung von Weichhölzern am besten geeignet ist. Aogami unterscheidet sich chemisch gesehen nur dadurch, dass Shirongami geringe Anteile von Chromium und Tungsten hinzugefügt werden, was den Stahl zäher und robust gegen Ausbrüche macht. Dadurch lässt sich aber beim Schärfen keine so scharfe Schneide herstellen wie beim reinen Kohlenstoffstahl.

Für Aogami entscheiden sich aus diesen Gründen hauptsächlich westliche Holzhandwerker wie ich, die viel mit Hartholz zu tun haben.

Auch wenn man denkt, in der Herstellung von Aogami steckt mehr Aufwand, das Härten und Bearbeiten von Shirogami ist für den Schmied wesentlich schwieriger. Zudem hat jeder japanische Werkzeugschmied sein eigenes Rezept zur Bearbeitung des Stahls und Herstellung verschiedener Werkzeuge und somit können je nach Qualität auf der Suche nach einem 10-teiligen Satz gerechtfertigte Preisunterschiede von 300 € für Einsteiger, bis über 1000 € für Profistemmeisen entstehen.

Wie man den Unterschied erkennt?

Üben ohne Ende, denn mit einer „passt schon“-Einstellung ist der Kauf von japanischen Stemmeisen wohl rausgeschmissenes Geld. Denn der Wert dieser Luxuswerkzeuge zeigt sich nur durch die Fähigkeiten des Handwerkers, der sie benutzt. Europäische Stemmeisen werden am sich schnell drehenden Stein zurecht geschliffen und beidseitig mehrere Male mit der Hand über Leder, Wasser-, oder Ölstein gezogen. Da der Stahl sich gut abtragen lässt, ist dieser Vorgang nach schartig-, oder stumpf werden schnell wiederholt und man hat wieder ein brauchbares Werkzeug. Handgeschmiedeten Stemmeisen muss man im Gegensatz dazu etwas mehr Liebe widmen.

Sind europäische oder japanische Stemmeisen besser?

Gegenfrage: Besser wofür? Im Betrieb könnte ich auf meine Europäischen niemals verzichten, weil sie einfach unglaublich praktisch sind.

Japanische Stemmeisen besitzen einen ganz anderen Standard. Ich bin überzeugt von der hohen Qualität, dafür sind sie jedoch für einige Aufgaben zu schade und verlangen viel Pflege und Zeit. Andererseits macht es mich so glücklich diese Werkzeuge zu benutzen, dass ich nachvollziehen kann, wie manche japanischen Handwerker 70-80 Stunden in der Woche auf der Arbeit verbringen können.

Was Euch in Teil 3. erwartet – Die Kunst des Schärfens

Das Schärfen handgeschmiedeter japanischer Stemmeisen ist eine Wissenschaft für sich. Trotzdem habe ich Euch die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst. Also lest unbedingt auch den dritten Teil über traditionelle japanische Stemmeisen.

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