Höchste ostasiatische Schmiedekunst: Japansiche Stemmeisen sind etwas für Profis
Gastartikel

Japanische Stemmeisen (Teil 3)

Autor:
Redaktion

Im dritten Teil unserer Artikel-Serie über handgeschmiedete japanische Stemmeisen erklärt euch unser Gastautor Justus Kißner alles wichtige über den Vorgang des schärfens von japanischen Stemmeisen.

Ich habe mich im dritten Lehrjahr meiner Schreinerausbildung an der Leidenschaft für japanische Stemmeisen angesteckt und besorgte mir meine ersten Oire Nomi - die handgeschmiedeten Stemmeisen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Nach und nach brachte ich mir mit Hilfe von Youtube-Tutorials bei, sie ordentlich zu schärfen und habe noch nach der Ausbildung im Praxisunterricht meines Restaurierungsstudiums die meisten freien (und einige nicht freie) Stunden damit verbracht, das Freihand-Schärfen weiter zu üben. Jetzt, nach längerer Zeit, kann ich sagen, dass ich einen Großteil des Potentials meiner Klingen aus Japan nutzen kann.

Ich bin Justus, 26 Jahre alt und gelernter Schreiner und Restaurator. Japanische Handwerkzeuge sind meine Leidenschaft. Auf meinem Instagram-Kanal könnt ihr euch angucken, was man mit japanischen Stemmeisen alles tolles erschaffen kann.

Richtig scharfe Eisen

Da eine ausführliche Anleitung zum Schärfen von Stemmeisen den Rahmen sprengen würde, muss ich mich leider kurzfassen. Ich gebe Euch aber die wichtigsten Tipps mit.

Abrichten der Fase nur an langsam drehenden, wassergekühlten Schärfmaschinen oder frei Hand über einem groben Schleifstein, denn Hitze zerstört den Stahl und macht ihn weich und unbrauchbar.

Nachdem ein feiner und gleichmäßiger Grat aufgezogen ist, gilt es zwei perfekt plane Flächen auf Spiegel und Fasenseite zu schleifen und auszupolieren. Zuerst wird die Spiegelseite entweder „geläppt“ oder durch Schleifen auf feiner werdenden Schärfsteinen auf Hochglanz poliert.

Die Hohlkehle verringert die Reibung und vereinfacht Schärfen und Stemmen, also so wenig Material wie möglich abnehmen! Wichtig ist ein gleichmäßiger Glanz an der Spitze der Schneide. Ist das geschafft, wird die Fase ebenfalls auf Hochglanz gebracht und danach die beiden Flächen abwechselnd poliert, bis der Grat entfernt und alle Spuren der groben Körnung beseitigt sind. Nun solltet ihr in der Lage sein, ohne viel Kraft einen feinen Spahn von Hirnholz abzunehmen und einen sauberen Schnitt ohne Ausrisse zu hinterlassen. Was gibt es Schöneres?

Meine wichtigsten Tipps

  • Nur ein gerader Stein erzeugt eine gute Schneide, also den Wasserstein regelmäßig mit einem Diamant-Abrichtblock abrichten, bis die Oberfläche wieder homogen ist.
  • Gerade Handhaltung mit etwas Druck beim Schieben und so wenig wie möglich beim Ziehen. Beim Bearbeiten der Fasenseite schieben die Finger der einen Hand das Eisen am unteren Ende und fahren die Fläche des Schleifsteines so gleichmäßig wie möglich ab. Die andere Hand hält das Gleichgewicht, denn wenn das Stemmeisen kippt, beschädigt man die Schneide und den Stein. Wenn man nicht aufpasst, schleift man sich die Fingerkuppe durch. Habe ich schon gemacht, kann ich nicht empfehlen.
  • Das Eisen diagonal halten. Die Länge des Zuges über den Stein sollte der dreifachen Eisenbreite entsprechen. Dadurch bleibt der Druck gleichmäßig und der Stein wird nicht so schnell hohlgeschliffen, wie wenn man seine komplette Länge abfährt. Schmale Eisen aber gerade zu sich ziehen, um nicht zu kippen.
  • Nach dem Schärfen und jedem Einsatz, sollte man das Stemmeisen vor Rost schützen. Hierbei wird traditionell Kamelien-Öl dünn aufgetragen. Es gibt jedoch einige Alternativen, wie Waffenöl oder WD-40.

Genauso wichtig wie guter Stahl und die richtige Schärftechnik, ist der passende Schneidwinkel. Darum haben viele japanischen Schreiner mehrere Stemmeisensätze.

Für Weichholz wie Kiefer wird gerne ein Flacher Winkel von ungefähr 23 Grad hergenommen. Hartholz wie Nussbaum und Ahorn wird mit mindestens 25 Grad gestemmt und besonders harte Hölzer wie Eiche benötigen einen noch steileren Fasenwinkel von oft bis zu 29 Grad, um weniger Ausbrüche der Schneide zu riskieren.

In der Regel gilt: je kleiner der Winkel, umso schärfer, aber weniger robust die Schneide.

Viel Leidenschaft und echte Handwerkskunst

Ein ehrgeiziger Schreiner mit Leidenschaft für Handwerkzeug sollte die Herausforderung auf jeden Fall annehmen, denn allein durch diesen Lernprozess (Schärfen) kann man sein Auge schulen und motorische Fähigkeiten wesentlich verbessern.

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