Ein Musikzimmer sollte schallgedämmt sein. Nackte Wände und Parkett sind ungeeignet
Ratgeber

Musikzimmer - So schonen Sie die Nerven Ihrer Nachbarn

Autor:
Redaktion

Laute Musik ist ein häufiger Streitpunkt unter Nachbarn. Aber es gibt wirkungsvolle Schallschutzmaßnahmen für das Musikzimmer zuhause.

Musiker und Musikliebhaber, die gerne laut Musik hören, kennen das: Es klingelt, und der Nachbar bittet, die Musik leiser zu machen. Leichter gesagt als getan: Akustische Musikinstrumente haben eine Grundlautstärke, die kaum zu beeinflussen ist. Bei E-Gitarren ist es ähnlich.

Das Recht auf Musik

Rechtlich gesehen müssen Nachbarn die Musik außerhalb der allgemeinen Ruhezeiten dulden. Dabei kommt es nicht auf den Musikgeschmack die Beherrschung des Instrumentes an. Es gibt keine feste Regel, was zumutbar ist. Der Deutsche Mieterbund hat anhand von Gerichtsurteilen eine Bandbreite von 45 Minuten (Schlagzeug) bis drei Stunden (Klavier) täglich ermittelt. Für Berufsmusiker gibt es Ausnahmen nur bei ausdrücklicher Vereinbarung im Mietvertrag.

Eine feste Dezibelgrenze gibt es nicht. Hier ist entscheidend, ob es sich unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten um ein "normales Wohngeräusch" handelt (LG Hamburg) - was ein dehnbarer Begriff ist. Rücksichtnahme ist hier die entscheidende Regel.

Auch wer im Recht ist, kann mit seiner Musikleidenschaft das nachbarschaftliche Verhältnis extrem belasten. Die beste Lösung ist, gemeinsam eine Regelung zu finden - etwa üben, wenn der Nachbar im Büro ist. Gelingt dies nicht, bleibt nur, das Zimmer mit einem möglichst wirkungsvollen Schallschutz zu versehen.

In einem professionellen Ausbau durch einen Akustikbauer können leicht einige tausend Euro fließen. Aber eine deutliche Reduktion der Beeinträchtigung von Nachbarn ist auch mit geringerem Aufwand machbar. Die Ausbreitung des Schalls ist nicht vollständig zu verhindern. Einige grundsätzliche Überlegungen helfen, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Die Arten der Schallübertragung

Es gibt zwei Arten, wie sich  Schall ausbreitet: durch die Luft (Luftschall) oder durch einen Körper (Körperschall). Luftschall tritt beispielsweise zwischen Fenster und Mauerwerk oder an Rollladenkästen aus, wenn diese nicht dicht eingebaut sind. Oft ist an solchen Stellen ein leichter Luftzug spürbar. Sie werden mit Bauschaum oder Silikon abgedichtet.

Komplizierter ist es, Körperschall zu verhindern. Körperschall wird durch jede Art von Körper - gleich ob Decke, Wand oder Heizungsrohre - übertragen. Hammerschläge auf die Wand hört noch der Nachbar zwei Stockwerke höher. Ein Stück Styropor dazwischen gelegt, dämpft die Übertragung deutlich. Auch für Schall aus einem Instrument oder einem Lautsprecher gilt: Je weniger der Körper erregt wird, desto weniger breitet sich der Schall in ihm aus.

Es kommt stark auf die Bauweise an: Dicke Ziegelwände und Doppelverglasung sind eine gute Basis. Eine Rigips- oder Holzwand lässt den Schall trotz Schallschutzmaßnahmen stärker durch als Mauerwerk.

Wohin geht der Schall?

Die einfachste Maßnahme ist die Schalldämmung der Wände durch Akustikmatten aus Schaumstoff. Diese verwendet auch der Akustikbauer. Sie sind auch im Baustoffhandel oder bei Musikversendern erhältlich. Je nach Ausführung und Qualität kosten sie zwischen 20 und 50 Euro pro Quadratmeter. Die Akustikmatten werden auf die Wand geklebt. Die bekannten Eierkartons gibt es zuweilen geschenkt, aber sie sind wirkungslos.

Da die Matten nicht viel wiegen, ist die Montage an der Decke problemlos möglich. Damit die Schwerkraft dem Musikfreund kein Schnippchen schlägt, ist geeigneter Kleber notwendig. Ein Akustikbauer versieht die Wand eventuell vorher mit einer Unterkonstruktion. Diese zu berechnen, ist eine Aufgabe für den Fachmann.

Für den Boden empfiehlt sich dicker Teppichboden. In Kellerräumen reicht das aus. Wohnt jemand unter der Wohnung, gehören zusätzlich Trittschallmatten wie beim Laminat unter den Fußbodenbelag. Schwimmend (also ohne Kontakt zur Wand) darauf verlegte Hartfaserplatten unter dem Teppichboden entkoppeln zusätzlich nach unten. Dies können einzelne kleine Podeste sein. Handelsübliche Tennisbälle als "Füße" bewirken eine gute Entkopplung. Sinnvoll ist dies insbesondere für Schlagzeug und Lautsprecherboxen.

Vor Türen und Fenster gehören Schallschutzmatten, am besten auf einer Platte, welche in einen luftdicht zur Wand hin abgeschlossenen Rahmen passt, wie eine Doppeltür oder ein Doppelfenster.

Auch Heizkörper und Rohre übertragen den Schall. Dagegen hilft eine Verkleidung, die bei Betrieb entfernt wird. Für Rohre eignet sich Isolationsmaterial aus der Installationsabteilung des Baumarktes (ein bis zwei Euro pro Meter).

Viel mehr kann ein Laie auch mit guten handwerklichen Fähigkeiten nicht leisten.

Und was bietet der Fachmann?

Heimwerkerlösungen können mit einem professionellen Ausbau durch den Akustikbauer nicht mithalten. Er weiß, wie Unterkonstruktionen zu berechnen sind. Er kennt Materialien wie schallschluckenden Putz. Auch weiß er die schallschluckenden Materialien richtig einzubauen und etwa gegen Feuchtigkeit zu schützen.

Er weiß aber auch, dass für dem Ausbau eines privaten Musikzimmers meist nur ein begrenztes Budget zur Verfügung steht. Daher sollte die Beratung durch den Akustikbauer auch dann am Anfang der Planung stehen, wenn ein Großteil der Arbeiten in Eigenleistung durchgeführt werden kann.

Der Fachmann hilft, eine bezahlbare und wirkungsvolle Lösung zu finden - und wenn er am Ende nur das geeignete Material für die Heimwerkerlösung liefert.

Tags:
Gewerke:Akustik und Trockenbau

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