Ein eigener Balkon lässt sich oft einfacher verwirklichen, als mancher Hausherr denkt
Ratgeber

Nachträglicher Balkonanbau – Beachtenswertes

Autor:
Redaktion

Ein sogenannter Freisitz erhöht die Wohnqualität. Ein nachträglicher Balkonanbau ist in vielen Fällen möglich.

Wann ein nachträglicher Anbau möglich ist

Technisch ist der Anbau eines Balkons immer möglich. Einige Systeme sind selbsttragend, sie erfordern nur einen geringen Eingriff in die vorhandene Bausubstanz. Aber bevor es an den Balkonanbau geht, muss der Hausbesitzer einige rechtliche Hürden nehmen:

Wer nicht Eigentümer des Hauses ist, muss zunächst den Hausbesitzer fragen. Bei einer Eigentumswohnung muss die Eigentümerversammlung dem Anbau zustimmen, da er die Fassade des Hauses verändert.

Im nächsten Schritt heißt es, sich eine Baugenehmigung zu besorgen. Jede Veränderung des äußeren Erscheinungsbilds des Hauses bedarf der Zustimmung der Behörden. Wenn das Haus unter Denkmalschutz steht, ist es in der Regel nie möglich, nachträglich etwas anzubauen. Außerdem ist manchmal die Zustimmung der Nachbarn nötig. Diese ist erforderlich, wenn der Balkonanbau zur Seite des Nachbarn stattfindet.

Der notwendige Grenzabstand kann ebenfalls ein Hinderungsgrund sein. Die meisten Häuser halten exakt diesen Abstand ein. In manchen Bundesländern ist ein Balkonanbau trotzdem erlaubt, einige Bundesländer machen die Erlaubnis von der Zustimmung des Nachbarn abhängig.

Je nach System ist kein Architekt erforderlich, allerdings sind Baugenehmigungen einfacher zu bekommen, wenn ein solcher Fachmann zur Seite steht. Er kann auch vorab informieren, welche Art Balkon die besten Aussichten auf eine Genehmigung hat.

Möglichkeiten des Balkonanbaus

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten nachträglich einen Balkon anzubauen: Selbsttragende Vorstellbalkone, ein gestützter Anbaubalkon mit Wandverankerung oder eine freitragende Kragarm-Konstruktion.

Der selbsttragende Vorstellbalkon ist eine Balkenkonstruktion, die auf vier Stützen ruht. Diese Balkone belasten die Außenwand nicht, daher sind auch weit ausladende Freisitze möglich. Ein geringer Eingriff ins bestehende Mauerwerk ist meist unvermeidlich, denn ohne Tür kann niemand den Balkon richtig nutzen. Es ist also in der Regel ein Mauerdurchbruch oder eine Erweiterung eines bestehenden Fensters notwendig.

Ein Anbaubalkon ruht nur auf zwei Stützen, daher ist eine Verbindung zum Haus mit Wandankern erforderlich. Der Balkon belastet mit einem Teil des Gewichts die Hauswand. Daher muss ein Architekt die Statik prüfen. Insgesamt ist auch bei dieser Variante nur ein recht geringer Eingriff in die Bausubstanz nötig.

Besonders schön und anmutig ist ein freitragender Kragarm-Balkon. Bei diesem gibt es keine Stützen, die bis zum Boden herab reichen. Daher ist auch ein einzelner Balkon in einer oberen Etage möglich, während die unteren Geschosse keinen Balkon bekommen. Das gesamt Gewicht des Balkons tragen die Mauern des Hauses. Zugstangen und Konsolen verbinden den Balkon mit der jeweiligen Geschossdecke.

Diese Balkone lassen sich also nicht einfach an der Wand anschrauben. Da der Anbau die Grundkonstruktion des Hauses belastet, sind große Balkone nicht möglich. Ein Architekt muss außerdem die komplette Planung durchführen und den nachträglichen Anbau überwachen.

Kosten für den Anbau

Ein einfacher selbsttragender Vorstellbalkon, der eine Größe von zwei auf zwei Metern hat und in Holzständerbauweise entsteht, kostet etwa 3.000 Euro für eine Etage. Je weiterem Geschoss kommen etwa 1.500 bis 2.000 Euro dazu.

Wer sich für einen fertigen Bausatz entscheidet, kann die Montage einfach selber durchführen, allerdings sind Punktfundamente für die Stützen notwendig. Für den Bau fallen beim Fachmann etwa 3.000 Euro pro Geschoss an.

Die Kosten für einen Anbaubalkon liegen unwesentlich höher. Das Material beziehungsweise ein Bausatz kostet etwa 500 Euro mehr als bei der freitragenden Konstruktion. Die Kosten für die Montage liegen ebenfalls bei etwa 3.000 Euro. Bei einer gedämmten Fassade sollte der Wandschluss durch einen Fachmann erfolgen, da es leicht zu Wärmebrücken kommt. Die Berechnung der Statik kostet etwa 500 Euro.

Ein kleiner Kragarmbalkon kostet mindestens 5.000 Euro. Die genaue Höhe kann nur individuell errechnet werden. Es fallen immer zusätzlich Kosten für einen Architekten an. Auch besteht keine Möglichkeit, den Anbau selber auszuführen. Hier muss ein Fachmann zur Planung herangezogen werden.

Jeder der Balkone benötigt natürlich ein Geländer. Hierfür fallen 20 Euro pro laufendem Meter für ein einfaches Kunststoffgeländer an. Holzgeländer kosten etwa 100 bis 200 Euro pro Meter und bei Edelstahl ist mit 300 Euro zu rechnen.

Falls kein bodenlanges Fenster vorhanden ist, kommen noch Kosten für den Wanddurchbruch und den Einbau der Balkontür hinzu. Hierfür fallen etwa 500 bis 1.000 Euro an.

Nur ein geringer Aufwand ist notwendig

Die meiste Mühe machen in der Regel die Behördengänge. Der Balkonanbau ist dagegen schnell erledigt. Die Baustelle ist auf den Außenbereich des Hauses beschränkt, daher stören die Baumaßnahmen wenig. Nur der Einbau der Tür verursacht Schmutz in der Wohnung.

Einen Bausatz kann ein geübter Heimwerker an einem Wochenende aufbauen, ein Fachbetrieb erledigt die komplette Montage, inklusive Geländer und Einbau der Tür in wenigen Tagen.

Überblick über Möglichkeiten und Kosten

In der folgenden Tabelle sind lediglich die Kosten für den Bau des Balkons zusammengestellt. Beträge, die für Geländer oder eine Balkontür anfallen, sind nicht darin erfasst.

Anbau eines Balkons von zwei auf zwei Meter an einer Etage

Balkonart

Materialkosten

Montage

Fachbetrieb für die Montage

Freitragender Vorstellbalkon

3.000 Euro

3.000 Euro

Nicht unbedingt erforderlich

Anbaubalkon

3.500 Euro

3.000 Euro

Nicht unbedingt erforderlich, aber bei gedämmter Fassade sinnvoll. Architekt muss die Statik überprüfen.

Kragarm-Balkon

5.000 Euro

2.000 bis 10.000 Euro

Architekt muss Planung und Durchführung überwachen. Genaue Kosten lassen sich nur vor Ort ermitteln.

 

Insgesamt ist der Aufwand für einen nachträglichen Balkonanbau gering. Der Aufbau erfolgt in wenigen Tagen und im Haus selber gibt es nur beim Einbau der Tür eine kleine Baustelle. In der Regel lässt sich für weniger als 10.000 Euro ein Balkon schaffen, der den Wohnwert des Hauses deutlich steigert.

Preisradar Logo

Abbrucharbeiten: was kostet es?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir in unserem Preisradar rund um das Thema Abbrucharbeiten.

Preisradar Logo

Wanddurchbruch: was kostet es?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im Preisradar rund um das Thema Wanddurchbruch.

Preisradar Logo

Deckendurchbruch: was kostet es?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im Preisradar rund um das Thema Deckendurchbruch.

Preisradar Logo

Katzenklappe einbauen: was kostet es?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im Preisradar rund um das Thema Katzenklappe einbauen.

Preisradar Logo

Balkon anbauen: was kostet es?

Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im Preisradar rund um das Thema Balkon anbauen.

Tags:
Gewerke:

Das könnte Sie auch interessieren:

Qualifizierte Handwerker
in Ihrer Nähe finden!
Kostenlos Auftrag einstellen:
  1. Auftrag beschreiben
  2. Angebote erhalten
  3. Handwerker auswählen
Jetzt kostenlos Angebote erhalten
Handwerker direkt suchen:
Handwerker direkt suchen:
Kostenlos Auftrag einstellen:
  1. Auftrag beschreiben
  2. Angebote erhalten
  3. Handwerker auswählen

Wir verwenden Cookies, um unsere MyHammer Dienste anzubieten, zu schützen und zu verbessern. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit unseren Cookie-Richtlinien einverstanden. Weitere Informationen

Ok