Sanft zur Umwelt und zur Haut: Hanfdämmplatten lassen sich mit bloßen Händen verarbeiten
Ratgeber

Öko-Baustoff Hanf 2.0

Autor:
Redaktion

Nach Jahren des Verbots erwacht Hanf aus dem Dornröschenschlaf. Ganz legal kehrt das natürliche Baumaterial in Dämmung und Hausbau zurück.

In Frankreich, England und Spanien findet Hanf auf dem Bau schon lange Anwendung. In der Uckermark wächst die Nutzfaser auf einer Fläche von mehr als 400 Hektar. Der Gang durch den Baumarkt allerdings lässt den umweltbewussten Sanierer ratlos zurück: Während überall günstig Mineralwolle und Styropor-Dämmplatten zu kaufen sind, gestaltet sich die Suche nach Hanf aufwändig. Die Faserprodukte stehen hauptsächlich im Natur-Baustoffhandel. Ihre Mehrkosten gegenüber den herkömmlichen Dämmmaterialien macht die einzigartige Ökobilanz wieder wett.

Ganz langsam entdeckt die Baubranche den uralten Werkstoff wieder. Sein naher Verwandter Cannabis Indica kommt ihm als Rauschmittel in die Quere. Gerade einmal seit 20 Jahren darf Nutzhanf wieder kultiviert werden, weil sein Anteil des Suchtstoffes THC mit weniger als 0,2 Prozent für Drogen oder Arznei zu niedrig ausfällt.

Der Alleskönner auf dem Bau

Aus der heimischen Faserpflanze wird nahezu alles hergestellt, was ein Bau braucht. In flache Formen gepresst bildet sie Bodenplatten, in Verschalungen gespritzt Wände, in Blockformen gegossen Ziegel, als dickflüssige Masse Putz und schließlich in Schalen gelegt Dämmwolle. Hanf kann mit bloßen Händen verarbeitet werden, da er, anders als Mineralwolle beispielsweise, keine für Haut oder Lunge gefährlichen Splitter abgibt.

Das für den Hausbau verwendete Hanf-Lehm-Gemisch ist bis zu siebenmal stärker als Standardbeton, wiegt weniger als die Hälfte und lässt sich dreimal besser formen. Wind und Wetter ausgesetzt, versteinert der Stoff allmählich. Seine Festigkeit lässt sich dann mit der Betons vergleichen. Daher auch die vom dem Englischen Hempcrete, Hanfbeton, abgeleitete Bezeichnung.

Behaglich dank perfekter Isolation

Hanfbeton besitzt eine ausgezeichnete Dämmleistung: Er gleicht Temperaturunterschiede aus, gleich ob Hitze oder Kälte. Mit ihm gibt es keine zugigen Ecken oder fußkalte Böden. Gleichzeitig absorbiert die Faser Lärm. Nachhaltig ist sie noch dazu: Wer seine Wand nicht mehr braucht, entsorgt sie rückstandsfrei. Hanf lässt sich recyceln, auf dem Kompost entsorgen. Er vertorft schnell. Da er schon im Anbau ohne Unkrautbekämpfung oder Pflanzenschutz auskommt, verrottet er ohne Rückstände. Ersteres macht das natürliche Baumaterial besonders für Allergiker interessant.

Seine Plantagen erweisen sich als wahre Kohlendioxid (CO2)-Fresser. Sie binden mit der enthaltenen Zellulose sogar mehr CO2 als vergleichbare Waldflächen. Über die gesamte Lebensdauer der einzelnen Pflanze betrachtet, entzieht diese der Atmosphäre mehr vom ozon-schädlichen Treibhausgas, als sie ihr zugefügt hat.

Hanf lässt nichts anbrennen

Die feste Zellstruktur der Hanffaser macht sie äußerst hitzebeständig. Dämmmatten weisen sogar die Klassifizierung „schwer brennbar” auf. Sie entwickeln im Brandfall anders als etwa bei Bauschaum keine giftigen Schwelgase. Auch der gefürchtete Kamineffekt, der Feuer stärker entfacht, tritt deutlich seltener auf als bei herkömmlichen Dämmmaterialien.

Tags:
Gewerke:Holz- und BautenschutzgewerbeWärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer

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