Wahre Tausendsassa: Die unscheinbaren Flachspflanzen mit ihren hellen Halmen liefern Grundstoffe für nahezu jeden Lebensbereich
Ratgeber

Ökologischer Superstar: Baustoff Flachs

Autor:
Redaktion

Wer mit Flachsfasern dämmt, erfüllt sich den Traum vom angenehmen Wohnklima. Pluspunkte sammelt die Pflanze vor allem bei Allergikern.

In Zeiten, in denen Recycling ebenso in aller Munde ist wie ökologisches Bauen, fällt der Blick früher oder später auf Flachs. So unaufgeregt die Pflanze auf heimischen Äckern daherkommt, so sehr überrascht ihre vielseitige Verwendung. Ihre Anbaufläche in Westeuropa wächst in jüngster Vergangenheit jährlich um etwa 10.000 Hektar.

Flachs wird Auto wird Hemd wird Dämmung

Obwohl schon seit der Steinzeit bekannt und beliebt, dümpelt die hübsch blühende Pflanze lange Zeit im Tümpel des Vergessens vor sich hin. Dem Untergang entronnen, tauchen die Fasern nun vermehrt wieder auf. Autohersteller etwa nutzen sie für technische Gewebe, auch Kosmetik- und Farbenindustrie setzen die Pflanzen ein. Findige Designer weben daraus Kleiderträume. Im Hausbau ersetzt sie darüber hinaus schädlichen Asbest und dient als biologischer Dämmstoff gegen Lärm, Kälte und Hitze.

Hier wohnt es sich gemütlich

Wer schon einmal aus Bio-Baustoffen errichtete Häuser betreten hat oder gar in einem Ökohaus wohnt, spürt das angenehme Raumklima sofort. Dass Zimmer und Flure bei niedrigen Außentemperaturen ihre Wärme wohlig halten und im Sommer kühlend, aber nicht kalt anfühlen, verdanken sie vielleicht den guten Dämmeigenschaften von Flachs. Im Verborgenen, etwa zwischen den Wänden oder im Dach entfalten die raffinierten Fasern unscheinbar, aber effektiv ihre Wirkung.

Um den Wärmeleitwert zu erzielen, den Energiesparverordnungen vorschreiben, muss die Dicke einer Dämmung nur 15 Zentimeter betragen. Weiteres Plus des Naturmaterials: Klamme Kleider im Schrank oder schimmelige Ecken gehören der Vergangenheit an, denn die feine Pflanze reguliert zudem Feuchtigkeit im Haus.

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Mit Flachs isoliert es sich kinderleicht – weder erfordert der Einbau Handschuhe oder Schutzanzug wie etwa bei Glaswolle, noch bedarf es einer Atemmaske. Die unkomplizierte Faser ermöglicht es jedem noch so unerfahrenen Bauherren, sie mit einfacher Säge oder scharfem Messer in Form zu schneiden. Aufgrund ihrer hohen Elastizität kann die Dämmplatte einfach zwischen Sparren oder Holzständer geklemmt werden. Dort behält sie ihre Form und reißt nicht.

Die Liebe zum Fachwerk

Flachsplatten kommen nur im Innenbereich zur Anwendung. Aufgrund der Dicke der Wände und ihrer Zwischenräume findet sich die Faser häufig als Dämmung von Fachwerkwänden wieder, in anderen Häusern vor allem in der Zwischensparrendämmung von Dachstühlen. Für Außendämmung, Fassaden oder Dächer, muss der ökologisch orientierte Hausbauer hingegen nach anderen Baustoffen suchen.

Da beißt die Maus keinen Faden ab

Nager verzweifeln schier an der feinen Ökodämmung: Mäuse und Ratten beißen sich an ihr sprichwörtlich die Zähne aus. Da die Pflanze zu großen Teilen aus Zellulose besteht, ist der Baustoff gleichzeitig auch noch resistent gegen Insektenbefall, Schimmel und Fäulnis.

Ab auf den Kompost!

Solange die Flachsplatten frei von verbindenden Zusätzen hergestellt sind, kann der Hauseigentümer sie vollständig kompostieren. Wem die Wiederverwendung zu lange dauert, setzt die Pflanze kleingehäckselt im heimischen Gemüsebeet als Mulch ein. Mit Chemikalien angereichert landet sie hingegen im Bauholzcontainer.

Medizinisch unbedenklich

Da die Superdämmung kaum Schädlinge anzieht und es Pilze oder Schimmel mit ihm schwer haben, müssen Ökobauern nur minimal Spritzmittel einsetzen. Wenn kbA (kontrolliert biologischer Anbau) auf dem Dämmstoff steht, kommt ausschließlich natürlicher Pflanzenschutz zum Einsatz. Von dem vollständig reizstofffreien Material profitieren vor allem Allergiker.

KbA oder konventionell, auch eine Frage des Geldes

Herkömmliche Flachsproduktionen, die auch mit chemischen Pflanzenschutzmitteln arbeiten, können ihre Platten günstiger anbieten, als die aus ressourcenschonendem Öko-Anbau. Die Preise von Bio-Dämmung belaufen sich so auf etwa 13 bis 30 Euro je Quadratmeter, abhängig von der gewünschten Dicke der Dämmung und der Art des eingesetzten Pflanzenschutzmittels. Herkömmliche mineralische Dämmstoffe wie Stein- oder Glaswolle kosten etwas weniger.

Auf kurzen Wegen zum Klimaschutz

Wer sich lieber Flachs statt Glaswolle ins Haus holt, hinterlässt einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Genau hingesehen, wachsen die Pflanzen mit blauen, gelben oder weißen Blüten sprichwörtlich vor der Haustür. Bio-Bauern säen die Faserpflanze vor allem in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und im Osten Deutschlands aus. Im Laufe seines Lebens verbraucht Flachs mehr CO2 als er erzeugt und punktet so mit einer guten Öko-Bilanz.

Tags:
Gewerke:DachdeckerWärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer

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