Nimmt das Chaos solche Ausmaße an, ist es höchste Zeit, nach asiatischer Art auszumisten
Ratgeber

Radikal entrümpeln auf Japanisch

Autor:
Redaktion

Platz für wirklich wichtige Dinge schaffen Asiaten mit liebevoller Klarheit und Konsequenz. Ergebnis: Nur, was glücklich macht, bleibt.

Statt mit regelmäßigem Hau-Ruck-Ausmisten immer das gleiche kurzlebige Ergebnis zu erzielen, raten Ordnungsfachleute aus dem Land der Kirschblüte, nur ein einziges Mal Hand anzulegen.

Schritt eins: Wegwerfen

Es heißt zunächst, Abschied zu nehmen von allem, was nicht benötigt wird. Diesen Weg empfehlen viele Aufräumdienste – das Geheimnis von dauerhaftem Erfolg liegt nach japanischer Erkenntnis aber darin, alles auf einen Schlag zu erledigen. Wer: „Erst dieses Zimmer, dann das nächste“ murmelt oder versucht, sich mit „Jeden Tag ein bisschen“ zu motivieren, muss umdenken. Heute findet ein Aufräum-Fest statt, danach lautet die Devise nur noch: Zurücklegen, was nicht benutzt wird.

Das Haufenprinzip

Soll es zunächst den Kleidersammlungen in Ecken an den Kragen gehen? Dann bitte alle Stücke auf eine Stelle legen. Alle, ohne Ausnahme, betonen die strengen Japaner. Das kleine Schwarze kommt genauso auf den Stapel wie der gemütliche, leicht ausgeleierte Wohlfühlpulli oder die Arbeitslatzhose aus dem Keller. Schneller als gedacht, bilden sich meterhohe Berge.

Mancher fragt sich, wozu alles aus den Regalen reißen? Um es hinterher wieder dort einzusortieren? Die asiatische Antwort darauf lautet: Ja, denn nur so wird ein Überblick gewonnen. Wenn wirklich alle Dinge einer Gruppe vor einem liegen, fällt auf, welche Mengen davon existieren.

Bewusster Abschied

„Das ist doch noch gut, bestimmt kann ich es später einmal gebrauchen“, so lautet eine gängige Erklärung für die erstaunliche Haufenbildung. Japanischer Erkenntnis nach tritt allerdings das verlegen gehauchte „irgendwann“ so gut wie nie ein. Wenn etwas bis jetzt nicht benutzt wurde, bleibt es dabei. Ungerührt wie Kamikazeflieger füllen die Asiaten daher Müllsack um Müllsack.

Was glücklich macht, bleibt

Als nächstes ist jeder Gegenstand aus dem Berg in die Hand zu nehmen. So, dass sich eine emotionale Beziehung dazu entwickeln kann. Der Pullover war ein Geschenk der wohlmeinenden Tante? Gehört er zur Gruppe „Mag ich aber eigentlich nicht“, darf er gehen. Seinen Zweck, Zuneigung zu demonstrieren, hat er erfüllt. Nun wandert er, nach kurzem, dankbarem Innehalten in den Müllbeutel.

Genauso ergeht es dem Blaumann, der beim einzigen Mal Tragen unter den Armen gescheuert hat. Passen Sachen nicht, sind sie kaputt, unvollständig oder unnötig, verbrauchen sie Platz und Energie, die an anderer Stelle fehlt. Einzige Ausnahme von der Brauche ich nicht- Wegwerf-Regel: Sachen von ideellem Wert, wie etwa besondere Kindheitserinnerungen. Die dürfen, solange ihr Anblick glücklich macht, wohnen bleiben.

Jedem Ding seinen Stammplatz

Liegen nur noch benötigte oder geliebte Gegenstände vor einem, kommt der nächste Schritt: Das Einräumen. Hierzu braucht es zunächst die Entscheidung, unter welcher Adresse die Sache in Zukunft zu finden sein soll. Ist dieser Platz bestimmt, lässt sich die gewonnene Ordnung leicht aufrecht erhalten.

Bloß keine Kisten stapeln

Die üblichen verschließbaren Aufbewahrungskisten sind in asiatischen Räumfachkreisen meist verpönt. Denn durch deren Deckel droht die Gefahr, dass auf der Kiste weitere landen. Und nur Raumhöhe dem wildwüchsigen Stapeln eine Grenze setzt. Der Inhalt des untersten, schwer zu erreichenden Kasten wird gedanklich ersetzt und später vergessen. Geschlossene Schränke, in ihnen oben offene, transparente Behälter, stellen die einzig wahre Lösung für Lagerung dar, so die Japaner.

Respektvoll verwahren

Ein weiteres Geheimnis der Ordnungsexperten liegt darin, Dinge einer Art nebeneinander zu legen. So, dass beim Draufschauen jedes Teil zu sehen ist. Es erhält auf diese Weise die ihm gebührende Würdigung. Hosen gehören daher, nach gleicher Methode zusammengelegt, Seite an Seite. Socken ruhen glattgestrichen und einmal gefaltet, keinesfalls zu unscheinbaren, würdelosen Bällchen geknäult, in einer kleinen Kiste.

Liegen empfindliche Stoffe wie Hemden neben-, statt übereinander, entfallen auch lästige Druckknicke. Die eingesparte Bügelenergie lässt sich in persönliche oder berufliche Entwicklung umsetzen und die freie Zeit für eine Pause nutzen.

Bügel sind Platzfresser

Nach Überzeugung der Aufräumkenner ist das Aufhängen von Hemden oder Jacken das Schlimmste, was diesen passieren kann. Zum ersten fehlt es an der Wertschätzung einer Bluse, wird sie einfach über einen Bügel gestülpt, statt sie aufmerksam zusammenzulegen. Hinzu kommt der vermeidbare Platzverbrauch: Aufgehängte Kleider nehmen deutlich mehr Fläche ein als nebeneinander gelegte.

Ausgemistet und eingeräumt erstrahlt die Wohnung in neuem Glanz. Damit es so bleibt, gibt es nun nur noch eines zu tun: Konsequent alles zurückzulegen, was im Moment nicht verwendet wird.

Mehr als ein Notnagel, der Nachbar

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass der nie genutzte und daher konsequent entsorgte Entsafter doch auf einmal benötigt wird, besteht endlich wieder Grund zum Besuch bei freundlichen Mitmenschen. Die lagern bestimmt in ihrem Keller ein Gerät, das langsam einstaubt und zum Leben erweckt werden könnte. Die sich freuen, mal wieder zu plaudern. Und strahlen, wenn der Entsafter blitzsauber zurückkommt und als Dank eine Flasche frischen Saftes vor der Tür steht.

Tags:
Gewerke:Entrümpelung

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