Die Handwerkerpreise pro Stunde reichen für die Kostenkalkulation nicht aus
Ratgeber

Handwerkerpreise pro Stunde - ein Überblick

Autor:
Redaktion

Die Handwerkerpreise pro Stunde besagen nichts über den Verdienst des Betriebes und geben nur bedingt Aufschluss über die Gesamtkosten einer Leistung.

Kalkulation der Preise pro Stunde

Der Stundenverrechnungssatz setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

Etwa 28 Prozent entfallen auf den Bruttolohn des Mitarbeiters. 10 bis 15 Prozent sind für tarifliche Sozialaufwendungen erforderlich. Dieser Anteil ist für das Urlaubsgeld oder ein 13. Monatsgehalt bestimmt. Die Größenordnung der Komponenten ist je nach Branche verschieden.

Zwischen acht und zwölf Prozent der Kosten für die Handwerkerstunde verschlingt die gesetzliche Sozialversicherung, die auch aus den Arbeitgeberanteilen zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung besteht. Aus diesem Anteil bezahlt der Betrieb außerdem die Löhne an gesetzlichen Feiertagen oder die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. 

25 bis 35 Prozent decken die betrieblichen und kalkulatorischen Gemeinkosten. Zu diesen gehören alle Ausgaben, die im Betrieb anfallen und nicht konkret einem bestimmten Auftrag zuzurechnen sind. Dazu gehören beispielsweise die Gehälter der Mitarbeiter im Büro und Kosten für Heizung, Strom, Wasser und Gas.  

In diesem Posten ist der Gewinn des Betriebes als fiktiver Unternehmerlohn einkalkuliert. Ferner ist die Verzinsung des Eigenkapitals darin enthalten. Zur Sicherheit erfolgt noch ein weiterer Aufschlag von 0,02 bis 0,03 Prozent.

Vom Stundenverrechnungssatz entfallen im Schnitt nur zwei bis drei Prozent auf Gewinnanteile und sind verhandelbar. Bei einem Stundensatz von 50 Euro sind dies 1,00 bis 1,50 Euro. Kommt der Betrieb einem Kunden stärker entgegen, spart er an den Gemeinkosten, er legt beispielsweise nicht genügend Geld für die Wartung der Autos zurück.

Verschiedene Arten, Handwerkerpreise zu bestimmen

Viele Handwerker berechnen ihre Leistungen nicht nach Stunden, sondern nach der anfallenden Arbeit. Maler berechnen häufig nach den Quadratmetern, die sie streichen oder tapezieren. Dabei differenzieren Sie nach Vorarbeiten wie Abdecken, dem Streichen und den abschließenden Arbeiten, wie das Beseitigen des Abdeckmaterials.

Maurer, Dachdecker und Fliesenleger bevorzugen in der Regel eine Abrechnung, die sich an der geleisteten Arbeit orientiert. Für den Kunden ist der Endpreis auf diese Art leichter zu erkennen.

Kfz-Werkstätten, Schreiner, Installateure und Elektriker rechnen üblicherweise nach Stunden ab. Für Kostenvoranschläge schätzen Sie den erforderlichen Zeitaufwand. Kunden können anhand der Stundenzettel die Rechnungen gut nachvollziehen und kontrollieren.

Maler und Schreiner haben niedrige Preise

Die Malerstunde kostet in der Regel 30 bis 40 Euro. Der Grund ist im niedrigen Tariflohn und den geringen Kosten für Werkzeuge zu suchen sowie einem geringen Raumbedarf. Malerbetriebe haben meist geringere Gemeinkosten als andere Handwerker.

Ein Schreiner verlangt pro Stunde zwischen 30 und 45 Euro. Die Tariflöhne sind ebenfalls niedrig. Die große Spanne bei den Stundenverrechnungssätzen ergibt sich aus der unterschiedlichen Ausstattung der Betriebe. Je nach Aufgabenbereich verfügen Schreiner über eine teure Werkstattausstattung und sie brauchen viel Platz.

Maurer sind teurer

Bei den Maurern führt ein etwas höherer Stundenlohn zu Verrechnungssätzen von 35 bis 50 Euro. Diese sind zum Teil durch einen teureren Fuhrpark bedingt. Außerdem kalkulieren die Betriebe höhere Preise, weil es witterungsbedingt einige Monate im Jahr kaum Arbeit gibt, aber die Mitarbeiter trotzdem Lohn bekommen.

Elektriker, Installateure und Heizungsbauer kosten mehr

Obwohl Elektrikergesellen niedrige Tariflöhne bekommen, sind die Stundenpreise der Betriebe mit 40 bis 55 Euro hoch. Dies liegt daran, dass viele Arbeiten einen Meister erfordern. In der Branche ist es zudem üblich, Material auf Vorrat zu lagern. Dies bindet Kapital und führt zu höheren Gemeinkosten.

Bei den Gas- und Wasserinstallateuren und den Heizungsbauern sind die Stundensätze mit 40 bis 60 Euro ebenfalls hoch Die Mitarbeiter bekommen in der Regel hohe Stundenlöhne, da sie hoch qualifiziert sind. Sie arbeiten vor Ort beim Kunden in eigener Verantwortung. Außerdem haben die Betriebe umfangreiche Materiallager.

Dachdecker sind die Spitzenreiter

Die Dachdeckerstunde kostet zwischen 45 und 60 Euro. Hier machen sich hohe Löhne, die benötigten teuren Werkzeuge und ein umfangreiches Lager bemerkbar.

Ein großer Kostenfaktor ist in dieser Branche die Sicherheitsausrüstung. Arbeiten auf dem Dach sind gefährlich, daher sind Gerüste und Absturzsicherungen vorgeschrieben.

Preisunterschiede innerhalb der Branchen

Die Tarifverträge sind nicht bundeseinheitlich, sodass Betriebe in Regionen mit niedrigen Löhnen billiger sind. Außerdem gibt es ein Stadt-Land-Preisgefälle. Dieses erklärt sich durch die niedrigeren Raumkosten auf dem Land.

Zusätzlich gibt es Gründe, die im Betrieb selber verankert sind. Große Firmen haben mehr Verwaltungskosten als Kleinbetriebe. Hinzukommt eine unterschiedliche Ausstattung der Werkstätten.

Für Kunden, die einfache Arbeiten zu vergeben haben, sind Betriebe mit einer geringen Ausstattung interessant. Bei einem größeren Bauvorhaben gewinnt das technische Equipment des Betriebes an Bedeutung.

Tipp: Die Handwerkskammern geben Auskunft über die in der jeweiligen Region üblichen Handwerkerpreise.

Nicht nur auf die Stundenpreise achten

Die Rechnung setzt sich aus den Kosten für Material und Anfahrt sowie dem Stundenverrechnungssatz multipliziert mit der benötigten Zeit zusammen. Große Betriebe haben oft höhere Stundenpreise, bekommen aber das Material günstiger. Eine gute Ausstattung führt ebenfalls zu höheren Stundensätzen, spart allerdings Zeit.

Kunden sollten sich von verschiedenen Betrieben Kostenvoranschläge geben lassen und das Gesamtpaket beachten. Häufig sind Betriebe mit hohen Stundensätzen insgesamt günstiger, also die Anbieter mit den niedrigen Preisen.

Wichtig: Bei kleineren Reparaturarbeiten sind die Abrechnungsmodalitäten besonders wichtig. Manche Betriebe rechnen jede angefangene Viertelstunde ab, andere die ganze Stunde.

Worauf bei der Vergabe zu achten ist

Es macht keinen Sinn, verschiedene Betriebe nach den Handwerkerpreisen pro Stunde zu fragen. Wie dargelegt, ist das Unternehmen mit den niedrigen Stundensätzen nicht zwangsläufig der günstigste.

In der Tabelle ist zusammengefasst, auf was zu achten ist.

Kostenkalkulation
BezeichnungBeachten
StundenpreisNachfragen, ob dieser für alle Arbeiten gilt oder ob manches extra berechnet wird (Anfahrt, Leistungen in der Werkstatt).
Anzahl der StundenEine verbindliche Schätzung verlangen. Am besten garantierten Kostenvoranschlag einholen (Abweichungen bis zu 20 Prozent sind erlaubt oder ein verbindliches Angebot nennen lassen).
MaterialkostenMenge und Art des Materials genau festlegen, beispielsweise genaue Bezeichnung einer Farbe (Fabrikat, Name des Produkts).
NebenkostenWelche zusätzlich Kosten fallen an?

Die Handwerkerpreise je Stunde sind ein grober Richtwert um Betriebe zu vergleichen, sie reichen aber nicht aus, um die Gesamtkosten abzuschätzen.

Tags: Kostenkalkulation
Gewerke:Maler und Lackierer

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