Hilf den Igeln
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Der Europäische Igel wurde 2024 von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres gekürt. Dennoch sind die Igelbestände in Deutschland in den letzten Jahrzehnten so drastisch zurückgegangen, dass die stacheligen Gesellen inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Dies liegt vor allem an der Zerstörung ihrer Lebensräume durch zunehmende Wohnbebauung und die Ausdehnung städtischer Gebiete. Aber auch moderne Errungenschaften wie Kunstrasen und Mähroboter beeinträchtigen den Lebensraum der Igel erheblich.
Oft ist es schwer zu wissen, wie man einen sinnvollen Beitrag zum Artenschutz leisten kann. Mit unseren Gärten aber können wir eine entscheidende Rolle spielen, Igel zu schützen und sie sicher durchs Jahr zu bringen.
Von der Gestaltung eines Igelparadieses über den Bau eines Igelhauses bis hin zu den Gefahren, auf die man achten sollte: Wir haben in Zusammenarbeit mit Wildtierexperten alle praktischen Informationen zusammengestellt, die du brauchst, um deinen Teil zum Schutz dieser bezaubernden Gartenbesucher beizutragen.
Wir werden hier laufend weitere Informationen teilen, während die Saison fortschreitet – mit dem Ziel, Gartenbesitzern dabei zu helfen, den perfekten Lebensraum für Igel zu schaffen.
Mehr erfahren:
- Frühlings-Check: Gefahren für Igel im Garten
- Wie Sie in Ihrem Garten einen himmlischen Zufluchtsort für Igel schaffen
- Millionen Deutsche haben noch nie einen Igel in freier Wildbahn gesehen

Frühlings-Check: Gefahren für Igel im Garten
Jetzt, wo der Frühling offiziell begonnen hat, zieht es viele von uns nach einem langen Winter wieder in den Garten für einen Frühjahrsputz. Aber wir sind nicht die Einzigen, die jetzt aktiv werden! Um diese Jahreszeit erwachen Igel aus dem Winterschlaf und gehen auf die Suche nach Futter, Partnern und Unterschlupf. Auch wenn dein Garten auf den ersten Blick wie ein friedlicher Rückzugsort wirkt, können hier für Igel versteckte Gefahren lauern.
Vom Abdecken offener Abflüsse bis hin zum vorsichtigen Vorgehen beim Rasenmähen: Es gibt einfache und effektive Möglichkeiten, unsere stacheligen Freunde in diesem Frühjahr zu schützen.
Sieh dir unseren Igel-Sicherheitsratgeber an
Checkliste: Igel-Gefahren im Garten
Wenn wir unsere Außenbereiche auf die warmen Monate vorbereiten, ist es wichtig, an unsere stacheligen Nachbarn zu denken. Folge unserer Experten-Checkliste, um deinen Garten im Handumdrehen von einer Gefahrenquelle in ein sicheres Igelparadies zu verwandeln.
Vor dem Mähen oder Trimmen prüfen
Wie wäre es in diesem Frühling mit einem „mähfreien Mai“, um die Tierwelt zu unterstützen? Wenn du dennoch mähst oder trimmst, prüfe vorher unbedingt Bereiche mit hohem Gras. Igel lieben hohes Gras und könnten dort schlafen oder sich verstecken. Gehe durch den Rasen, um nach Igeln zu schauen, und mähe langsam, damit die Tiere das Mähgeräusch hören und rechtzeitig flüchten können. Es dauert nur 30 Sekunden, kann einem Igel aber das Leben retten.
Verzicht auf Pestizide oder Schneckenkorn
Schneckenkorn ist für Igel extrem gefährlich – vermeide es daher unbedingt. Chemische Pestizide können die gesamte Nahrungskette vergiften. Schütze Igel und andere Wildtiere, indem du auf umweltfreundliche Alternativen setzt. Es gibt viele natürliche Methoden, um Schädlinge im Garten abzuwehren, ohne der Tierwelt zu schaden. „Bierfallen“ (teilweise in den Boden eingelassene Schalen mit Bier) oder Kaffeesatz rund um die Pflanzen sind bewährte Mittel gegen Schnecken.
Gefahren durch Wasserstellen
Igel sind zwar gute Kletterer, aber Planschbecken und Teiche können schnell zur tödlichen Falle werden, wenn der Rand zu steil oder rutschig ist. Decke Wasserstellen ab oder lege eine Ausstiegshilfe (bspw. ein raues Holzbrett) hinein, damit sie sich retten können, falls sie hineinfallen.
Abflüsse abdecken
Unabgedeckte Abflüsse sind ein großes Risiko. Igel fallen leicht hinein und kommen ohne Hilfe nicht mehr heraus. Achte daher darauf, dass Abflüsse möglichst abgedeckt sind – entweder mit einem passenden Gitter oder im Notfall provisorisch mit einem wassergefüllten Sack.
Haustiere im Auge behalten
Selbst der freundlichste Hund kann einem Igel gefährlich nahe kommen, was leider häufig zu Verletzungen oder zum Tod der Tiere führt. Wenn du deinen Hund in der Dämmerung oder nachts in den Garten rauslässt, behalte ihn im Auge und nutze ausreichende Außenbeleuchtung, um unvorhergesehene Begegnungen mit Wildtieren zu vermeiden.
Voraussetzung für Zugang schaffen
Um deinen Garten igelfreundlich zu gestalten, ist es wichtig, dass sie überhaupt Zugang haben. Igel sind nachtaktiv und legen jede Nacht etwa stattliche 1 bis 2 km zurück. Um ihnen den Raum zu ermöglichen, schneide ein ca. 13x13 cm großes Loch in den unteren Teil deines Zauns oder deiner Hecke. Alternativ kannst du auch einen Durchlass unter dem Zaun graben. Um der Tierwelt wirklich zu helfen, ersetze auf lange Sicht einen geschlossenen Zaun durch eine Hecke, da sie besseren Unterschlupf bietet. Wichtig: Kläre dies vorher mit deinen Nachbarn ab, falls es sich um einen gemeinsamen Zaun handelt.

Wie Sie in Ihrem Garten einen himmlischen Zufluchtsort für Igel schaffen
Igel brauchen unsere Hilfe – und die Gestaltung Ihres Gartens als igelfreundlicher Ort ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Bereitstellung eines Zufluchtsorts für Igel ist dabei eine ganz besondere Hilfe.
Unser Leitfaden wurde von Experten erstellt, die die Bedürfnisse von Igeln besonders gut verstehen und bemüht sind, Hilfsmöglichkeiten in jedem Umfang aufzuzeigen. Vom Bau eines Igelhauses bis hin zu Aussparungen im Zaun gibt es Optionen für jeden.

Hier ist unser Expertenleitfaden zum Thema: ‘Wie Sie Ihren Garten in ein Paradies für Igel verwandeln:
Wilde Ecken im Garten
Unberührte Bereiche bieten Igeln nicht nur natürliche Nahrung, sondern auch geschützte Rückzugs- und Nistmöglichkeiten. Lassen Sie einen Teil Ihres Gartens bewusst verwildern – beispielsweise mit Brennnesseln oder anderen dichten Pflanzen. So schaffen Sie wertvollen Lebensraum. Auch ein Wildblumenstreifen am Rand sieht nicht nur schön aus, sondern hilft zugleich vielen Insekten und Igeln.
Keine Pestizide oder Schneckenkorn
Schneckenkorn, und insbesondere Schneckenkorn mit Metaldehyd, ist für Igel pures Gift – selbst wenn sie nur eine vergiftete Schnecke fressen. Greifen Sie lieber zu natürlichen Mitteln wie Bierfallen (eingelassene Schalen mit Bier) oder Kaffeesatz rund um Ihre Pflanzen.
Rasen vor dem Mähen kontrollieren
Igel verstecken sich gern im hohen Gras. Gehen Sie die Fläche vorher ab und prüfen Sie, ob sich Tiere darin befinden. Mähen Sie möglichst langsam und aufmerksam, damit die Tiere genügend Zeit haben, das Geräusch wahrzunehmen und sich in Sicherheit zu bringen.
Kellertreppen und Fensterschächte sichern
Offene Schächte oder Treppenabgänge können zur tödlichen Falle für Igel werden. Viele Tiere stürzen hinein, finden keinen Ausweg mehr und verhungern oder verdursten. Beim Versuch, sich zu befreien, verletzen sie sich häufig und wetzen sich die Krallen ab. Schaffen Sie deshalb Ausstiegshilfen – etwa mit schräg gelegten Ziegelsteinen – oder decken Sie Schächte möglichst vollständig ab.
Abflüsse abdecken
Offene Abflüsse können für die Wildtiere gefährlich werden: Sie fallen leicht hinein und kommen ohne Hilfe nicht mehr heraus. Decken Sie daher alle Abflüsse gut ab. Ideal sind passende Gullydeckel, aber auch ein provisorischer Schutz (beispielsweise ein mit Wasser gefüllter Beutel) hilft dabei, Verletzungen zu vermeiden.
Dauerhaften Zugang schaffen
Damit Igel Ihren Garten überhaupt erreichen können, braucht es geeignete Zugänge. Die nachtaktiven Tiere legen jede Nacht bis zu 1–2 Kilometer zurück. Schneiden Sie ein kleines Loch von etwa 13 x 13 cm unten in Ihren Zaun oder bauen Sie ein Rohr mit etwa 15 cm Durchmesser ein. Alternativ können Sie auch einen flachen Durchgang darunter graben, falls Sie Ihren Zaun nicht beschädigen möchten. Stimmen Sie solche Maßnahmen unbedingt mit Ihren Nachbarn ab. Wer noch einen Schritt weitergehen will, ersetzt den Zaun durch eine durchlässige Hecke.
Zaunlücken bei Neubauten bedenken
In Neubaugebieten sind Zäune oft dicht und lückenlos – ein echtes Hindernis für Wildtiere. Eine Möglichkeit besteht darin, ein oder zwei Zaunelemente zu entfernen oder anpassen zu lassen. Es gibt auch spezielle Igeltore, die man online erwerben kann.
Rückzugsorte bei Neugestaltungen bestehen lassen
Lassen Sie möglichst alte Bäume und Sträucher stehen und überlegen Sie, wie sich bestehende Strukturen in die neue Gartengestaltung integrieren lassen. So erhalten Sie den Lebensraum von Igeln, die sich dort bereits angesiedelt haben – und unterstützen sie dabei, vor Ort zu bleiben.
Ein Igelhaus bauen
Igelhäuser werden immer beliebter und lassen sich ganz einfach selbst bauen: Alles, was Sie brauchen, sind ein paar Holzbretter, ein Hammer und Nägel. Der Eingang sollte etwa 13 x 13 cm groß sein, das Innere ca. 25 cm hoch und 35 x 35 cm breit. Wichtig: Streichen Sie das Innere des Hauses nicht und legen Sie kein Futter hinein.

Millionen Deutsche haben noch nie einen Igel in freier Wildbahn gesehen
Experten zufolge ist die Igelpopulation in den letzten 20 Jahren massiv zurückgegangen. Eine neue Umfrage zeigt nun: Millionen Deutsche hatten noch nie das Vergnügen, einen Igel in freier Wildbahn zu sehen. Die aktuelle Hitzewelle verschärft die Lage zusätzlich – ausgetrocknete Wasserstellen zwingen die Wildtiere dazu, an unsicheren Stellen nach Wasser zu suchen.
Laut einer neuen Studie von MyHammer hat jeder zehnte Deutsche (10 %) noch nie einen Igel in seinem natürlichen Lebensraum gesehen. Dieses Problem verschärft sich weiter: Während 95 % der über 55-Jährigen angeben, schon einmal einen Igel gesehen zu haben, sind es bei den 18- bis 34-Jährigen nur noch 83 %. Fast ein Fünftel der jungen Erwachsenen hat also noch nie einen Igel in freier Wildbahn entdeckt – was nicht überrascht, da Experten davon ausgehen, dass die Population seit 2000 um 75 % zurückgegangen ist.
Darüber hinaus berichten 42 % der Befragten, dass sie in ihrer Umgebung immer seltener Igel sehen. Obwohl Igel immer seltener werden, gehören sie zu den beliebtesten Tieren Deutschlands: 91 % der Befragten finden Igel „niedlich”, und für 42 % sind sie sogar das Lieblingswildtier. Aus diesem Grund möchten fast zwei Drittel (65 %) der Befragten aktiv dazu beitragen, dass Igel sicher leben können.

Wir hoffen, dass unsere Kampagne "Das Handwerk hilft mit" einige Impulse geben kann, ihr Grundstück in ein Igelparadies zu verwandeln.
Nur gemeinsam können wir dazu beitragen, eines der schönsten einheimischen Lebewesen Europas zu retten.