Japanische Stemmeisen
Gastartikel

Japanische Stemmeisen (Teil 1)

Autor:
Redaktion

Schreinern wie in Japan? Das geht! Holt Euch einfach ostasiatische Handwerkstradition in die eigene Werkstatt. Aber Vorsicht, die handgeschmiedeten Stemmeisen aus dem Land der aufgehenden Sonne verlangen viel Wissen, Geduld und fachliche Kompetenz von ihrem Besitzer. Von Justus Kißner.

Fernöstliche Handwerkskunst trotzt den Naturgewalten

Handwerkskunst in Japan ist sehr stark mit Tradition und Glaube verbunden und somit legen Japaner sehr viel Hingabe, Mühe und Stolz in ihre Arbeit. Viele Schreiner und Zimmerleute waren im Laufe der Geschichte als Geistliche im Tempelbau tätig und somit wirtschaftlich unabhängig.

Ich bin Justus, 26 Jahre alt und gelernter Schreiner und Restaurator. Japanische Handwerkzeuge sind meine Leidenschaft. Auf meinem Instagram-Kanal könnt ihr euch angucken, was man mit japanischen Stemmeisen alles tolles erschaffen kann.

Dies und die Naturgewalten wie Erdbeben, mit denen auf dem pazifischen Feuerring zu rechnen sind, führten zur Entwicklung von hervorragenden und komplizierten Holzkonstruktionen, welche in Langlebigkeit und Reversibilität schwer zu übertreffen sind. Um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden, entwickelten die Japaner ihre einzigartigen Stemmeisen. Auch in Deutschland versteht man einiges vom Holzhandwerk und weiß ein gutes Stemmeisen zu schätzen. Nur sind die Ansprüche ans Gerät in den Ländern verschieden und der Gebrauch des Werkzeugs in Japan ein anderer, als in unseren Breitengraden.

Deutsche Robustheit oder japanische Präzision

Es gibt wohl keinen Schreiner oder Zimmermann, der bei der Arbeit auf Stemmeisen verzichten kann. Für uns Deutsche ist klar: Robust müssen sie sein und schnell und einfach zu schärfen, denn immer öfter werden sie gerade auf Montage auch zum Hebeln und Schaben benutzt, wofür der zähe Stahl super geeignet ist. Solch grobe Nutzung würde japanische Eisen ruinieren, aber dafür sind sie für ihren eigentlichen Zweck umso besser geeignet - um beim Stemmen verdammt lange scharf zu bleiben und den perfekten Schnitt zu hinterlassen. Aber welches japanische Stemmeisen darf auf keinen Fall in meinem Werkzeugkoffer fehlen?

Stemmeisen

Von Oire bis Tataki

Ob Oire Nomi - die typischen Stemmeisen für japanische Schreiner, Tataki Nomi - die insgesamt etwas länger sind und von Zimmerleuten für tiefe Holzverbindungen bevorzugt werden, oder Umeki/Shinogi Nomi - welche wegen ihrer flachen Form mit dem dachförmigen Rücken gern zum Nachstechen von Schwalbenschwanzverbindungen verwendet werden, alle bestehen aus Klinge, Stahlring, Griff und Zwinge.

Der Aufbau von japanischen Stemmeisen

Die Einzelteile sind ähnlich wie in der westlichen Region (Bsp. Marke Kirschen). Die laminierte Klinge aus Kohlenstoffstahl für die Schneide und einer weiteren, weichen Legierung läuft am hinteren Ende in einem quadratischen Keil aus, welcher im Holzgriff eingelassen ist.

Ein zylindrischer Stahlring, welcher zur Kraftübertragung darüber gesteckt wird, verhindert, genauso wie die sogenannte Zwinge um die Hirnholz-Schlagfläche, dass beim Einwirken mit dem metallenen Hammer der Griff reißt. Der Griff besteht in den meisten Fällen aus feinporigem Holz wie japanischer Rot- oder Weißeiche, aber Liebhaber greifen auch zu Rosenholz und Ebenholz, am besten mit Kern, denn dieser stoppt einen Riss, falls er entsteht, in der Mitte des Griffes.

Was Euch in Teil 2. erwartet – Japansicher Stahl

Nun zum spannenden Teil, dem Stahl. Denn Nomi ist nicht gleich Nomi! Zum Großteil besteht ein japanisches Stemmeisen aus Schmiedeeisen, welcher wegen seiner Flexibilität, seines schnellen Abriebs beim Schärfen und aus Kostengründen verwendet wird. Dieser ist auf der Spiegelseite mit gehärtetem Kohlenstoffstahl laminiert. Die beiden am häufigsten verwendeten Stähle lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Shirogami und Aogami.

Wenn ihr wissen wollt, warum in Deutschland Shirogami als Weißpapierstahl bekannt ist, Aogami auch Blaupapierstahl genannt wird und wie man die Klingen richtig schärft, solltet ihr unbedingt auch den zweiten Teil über traditionelle japanische Stemmeisen lesen.

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